Das Project Glass und der Datenschutz


Vor einigen Tagen stellte Google auf YouTube ein Video zum „Project Glass“ vor. Dabei handelt es sich um eine Brille mit eingebautem Mini-Computer. Dieser zeigt z.B. auf den Brillengläsern nützliche Informationen zur Umgebung an. Aus Nutzersicht ist das natürlich eine großartige Sache, wenn man solche Infos direkt vor dem Auge zu sehen bekommt anstatt erst das Smartphone herausholen zu müssen.


Doch was viele dabei vergessen, ist das große Problem mit dem Datenschutz.

Die Informationen zur Umgebung holt sich die Brille logischerweise aus einem Bild des Ortes. D.h. um einen solchen Dienst überhaupt anbieten zu können, muss das von der Kamera aufgenommene Material zumindest temporär auf einem Speichermedium abgelegt werden. Entweder lokal oder auf einem Server. Was jetzt aber, wenn sich auch noch andere Personen in der Nähe befinden und somit auf dem Bild zu sehen sind (und ihr Gesicht an einen Server in den USA geschickt wird)? Möchte man das als unbeteiligte und unwissende Person? Also ich würde das nicht wollen. Man kann – extrem gesagt – die Brille theoretisch als wandelnde Überwachungskamera betrachten.

Aber auch für den Brillenträger ist der Datenschutz nicht gerade hoch, wenn er das Gerät effizient nutzen will. Was für Funktionen bietet die „Pseudo-Sehhilfe“ denn alles? Aufzuzählen wären da z.B. neben Augmented Reality auch die Standorterkennung via GPS, um z.B. Navigationsdienste oder auch Google Latitude nutzen zu können. Eben alles, was man von modernen Smartphones schon kennt.

Willst du, dass ein Unternehmen ein komplettes Bewegungsprofil von dir erstellen und dazu auch gleich noch die Bilder, die du gesehen hast (durch die Kamera) zuordnen kann? Ich kann mir vorstellen, dass viele Geheimdienste von so einer Möglichkeit nur träumen. Stellt man widerrum die Ortungsfunktion aus, fallen wahrscheinlich nahezu die Hälfte der Features weg. Und wer will heutzutage schon auf mögliche Funktionen verzichten. Die meisten haben ja „sowieso nichts zu verbergen“. Von der Kamera braucht man erst gar nicht zu sprechen, ohne die wäre ja das komplette Gerät nutzlos.

Ich gehe noch einen Schritt weiter. Gehen wir mal davon aus, dass jemand es schafft, das Device zu hacken. Das wird früher oder später passieren. Der Angreifer hat dann Einblick ins komplette Leben des Opfers. Vorausgesetzt natürlich, der User hat die Brille den ganzen Tag über auf. Aber da wäre ich zuversichtlich.

Wenn sich das Projekt überhaupt realisieren lässt, darf man also gespannt sein, wie Google es datenschutzfreundlich umsetzen will. Auf jeden Fall wird es eine schwierige Aufgabe. Denn die oben beschriebenen Bedenken sind sicherlich nicht die einzigen.

Über m4gu5

Geek/Nerd, Level 12 Paladin, Linux-User
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